Kaiser Pianoforte-Manufaktur
Kaiser Pianoforte-Manufaktur

Klaviere aus der Belle Epoque*, bzw. Jugendstilklaviere, sind in der Regel Klaviere aus der Zeit von 1900 bis 1914.

restauriertes Eduard Hilger Klavier (ursprüngliches Baujahr 1915)

Diese ,falls aus deutscher Produktion stammenden, hochwertigen Pianos, haben inzwischen ein Alter von ca. 100 Jahren erreicht. Damit ist die eigentliche Grenze der Haltbarkeit erreicht. Diese Klaviere sind nur mit hohem Aufwand wieder in einen spielfähigen Zustand zu versetzen.

Was uns an diesen Pianos verzaubert, ist der wunderschöne Klang, den diese Instrumente erzeugen konnten. Hierfür ist in erster Linie der sogenannte Resonanzboden verantwortlich. Er wird bei hochwertigen Pianos aus europäischer Bergfichte, die in Höhenlagen von über 800 Metern wächst, aufwendig hergestellt. Diese Bäume haben aufgrund ihres langsamem Wachstums besonders dichte Jahresringe, was diesem Holz seine außergewöhnliche Schwingungseigenschaften verleiht.

Allerdings braucht so ein Baum ca. 300 Jahre, bis er die notwendigen Eigenschaften besitzt, dass er als Resonanzbodenholz zu verwenden ist. Die Holzqualität ist absolut abhängig von den Klimabedingungen unter denen er wächst. Bäume die besonders starke Veränderungen zwischen Sommer und Winter erlebten, entwickelten sich besonders robust und sind damit extrem schwingungsfähig. Daher besitzen Klaviere aus der Belle Epoque ein ganz besonderes Resonanzbodenholz, denn diese vor  ca. 100 Jahren gebauten Klaviere sind aus Hölzern gebaut, deren Bäume in der sogenannten kleinen Eiszeit gewachsen sind.

Temperaturverlauf der letzten 1000 Jahre, rekonstruiert aus verschiedenen Quellen. Die rote Linie markiert den rekonstruierten Verlauf in der nördlichen Hemisphäre. Der schwarze Anstieg rechts ist instrumentell gemessen.**

**Die Kleine Eiszeit ist eine Erdabkühlung, die mit regionalen und zeitlichen Schwerpunkten weltweit auftrat und für Europa, später auch für Nordamerika, Russland und China und inzwischen sogar in den polaren Eisbohrkernen nachgewiesen ist. Während dieser Zeit traten häufig sehr kalte, lang andauernde Winter und niederschlagsreiche, kühle Sommer auf. Im 15. Jahrhundert fror mindestens zweimal die Ostsee komplett zu. Mitte des 17. Jahrhunderts und auch bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts drangen in den Alpen zweimal die Gletscher vor und zerstörten Gehöfte und Dörfer. Das Gletscherwachstum während der sogenannten „Kleinen Eiszeit“ war das stärkste seit der letzten lang andauernden Vereisung der derzeitigen Eiszeit. Die Kanäle in den Niederlanden waren jeden Winter lange überfroren, in London fand mehrmals auf der zugefrorenen Themse ein „Frostjahrmarkt“ statt. Im Winter 1780 konnte man den Hafen von New York auf dem Eis sicher überqueren. Auf den Großen Seen in Nordamerika blieb das Eis manchmal bis zum Juni.

**Quelle: Wikipedia

neues Fichtenholz
Fichtenholz total eingetrocknet
Fichtenholz von 1740

Leider stehen uns heute solch wertvolle Hölzer nicht mehr zur Verfügung. Deshalb sind für uns diese Pianos aus der Belle Epoque ein nahezu unbezahlbarer Rohstofflieferant. Sieht man sich jetzt noch die Veränderung des gealterten Holzes unter dem Elektronenrastermikroskop an, so kann man ganz leicht verstehen, was diesen Klavieren ihren außergewöhnlich schönen Klang verleiht.

restauriertes Baldur Klavier (ursprüngliches Baujahr 1905)

Daher gibt es für Klaviere aus dieser Epoche, nur eine für uns akzeptable Lösung:

Keine "Generalüberholung"!

Wir bauen diese Instrumente für Sie komplett neu auf.

Wir zerlegen diese Instrumente in all ihre Einzelteile. In der Trockenkammer wird dann das Tonholz kontrolliert getrocknet, damit wir aus diesen Komponenten das Klavier wieder vollkommen neu aufbauen. Der Resonanzboden wird neu verleimt und ausgespänt, damit die für den guten Klang so wichtige Resonanzbodenwölbung wieder hergestellt werden kann. Anschließend bekommt der Resonanzboden wieder eine neue Lackierung, um ihn vor Feuchtigkeit  und anderen Umwelteinflüssen zu schützen.

Steinway Modell V (ursprünliches Baujahr 1928) restaurierter, lackierter Resonanzboden

Übrigens ist solch ein Resonanzbodenholz wesentlich weniger rissgefährdet, als neues. Denn diese Hölzer wurden nicht im Schnellverfahren künstlich getrocknet, wie es heute im industriellen Klavierbau üblich ist - sie wurden über viele Jahre an der Luft natürlich getrocknet und konnten daher alle Spannungen, die zu Rissen führen könnten, abbauen. Ebenso wird die neu erzeugte Resonanzbodenwölbung länger halten, als die eines neuen Resonanzbodens, dessen Holz künstlich getrocknet wurde.

Hier sei unbedingt noch anzumerken, dass ein großer Teil der billigeren neuen Klavier nur einen furnierten Resonanzboden besitzen (kein Massivholz). Diese schichtverleimten Resonanzböden sind nach dem Prinzip Sperrholz aufgebaut, was man dann auch hört.

Der Gussrahmen wird auf Rissfreiheit überprüft und neu lackiert. Der Gussrahmen ist kein Verschleißteil. Risse im Gussrahmen entstehen nur durch Konstruktionsfehler, Fehler beim Gießen oder durch massive Gewalteinwirkung. Man kann daher davon ausgehen, dass ein Gussrahmen der nicht innerhalb eines Jahres reißt, das auch später nicht mehr tun wird, wenn er keine massive Gewalteinwirkung erfährt. Neue Gussrahmen haben nach dem Guss noch große Spannungen im Material, was durch die unterschiedlichen Materialstärken und der daraus entstehenden unterschiedlich schnellen Abkühlung entsteht. Deswegen müssen die Gussrahmen nach dem Guss noch geglüht und mindestens 6 Monate gelagert werden, damit diese Spannungen weitgehend abgebaut sind.

Der Stimmstock (in der Regel aus massiver Buche) wird auf Rissfreiheit geprüft. Sollte er Risse aufweisen, so wird er erneuert. Risse im Stimmstock treten in der Regel nur auf, wenn das Stimmstockholz nicht lange genug getrocknet wurde, so dass aufgrund der Restfeuchte im Holz Spannungen entstanden, welche dann zur Rissbildung führten. Ein ca. 100 Jahre alter rissfreier Stimmstock wird mit großer Sicherheit nicht mehr reißen.

Saiten und Stimmwirbel werden durch neue ersetzt. Ebenso werden alle Verschleißteile (Hammerköpfe, Dämpferfilze, Achsen und Federn) in der Mechanik erneuert, so dass das Instrument nachher wieder die Lebenserwartung eines hochwertigen neuen Klaviers hat. Aber letztendlich profitieren wir von der Qualität dieses hochwertigen alten Resonanzbodenholzes, das aufgrund seines Alters und seiner anderen Klimageschichte (deutlich kälterer Winter) viel bessere Schwingungseigenschaften aufweist, als neues Resonanzbodenholz.

Die Qualität dieser Klaviere belohnt unseren großen Aufwand, den wir hierfür betreiben. Auch wenn es einfacher wäre, billige Neuklaviere zu verkaufen.

Klaviere aus der Belle Epoque

Gute Klaviere erreichen ein Lebensalter von 70 bis 100 Jahren. Damit ist auch bei sehr guten Klavieren die physikalische Grenze der Haltbarkeit erreicht. Jede einzelne Saite erzeugt eine Zuglast von zirka 700 Newton (das entspricht ca. 70 kg), so dass die Summe der Zuglasten aller Saiten  über 16 to (16.000 kg) beträgt.  Diese Zuglast wird durch den Haftreibungswiderstand der Stimmwirbel gegenüber dem Stimmstock gehalten (siehe Skizze).

Stimmstock mit Stimmwirbel im Querschnitt

Ebenso wirkt die Resultierende dieser Zuglast auf die Wölbung des Resonanzbodens, welche im Laufe der Zeit, je nach Qualität des Resonanzbodenholzes, verloren geht. Ist diese Wölbung nicht mehr vorhanden, dann läuft relativ viel Energie in die Bodenlager. Diese Energie geht uns als Klangenergie verloren, denn dort ist der Resonanzboden fest mit dem Rasten verbunden und kann daher dort das Resonanzbodenholz nicht mehr in Schwingung versetzen. Es wirkt sich auf die Energiebilanz in etwa so aus, wie Heizen mit halb geöffneten Fenstern.

Unser Vorbild für eine effektive Nutzung, der über den Tastenanschlag eingegebenen Energie, ist wieder einmal die Natur. Bei einem flach auslaufendem Strand beobachten wir, dass die Wellen zum Ufer hin kleiner werden, was durch die konkave Form des Seegrunds bewirkt wird. Durch die konvexe Wölbung des Resonanzbodens erzielen wir den gleichen Effekt. Die Energie, die in die Resonanzbodenlager abfließt, ist vernachlässigbar klein, so dass der größte Teil unserer eingegebenen Anschlagsenergie der Klangbildung dient.

Resonanzboden im Querschnitt (liegend) (die Maße sind beispielhaft)

Dass natürlich auch der Zahn der Zeit  an der Mechanik mit ihren vielen beweglichen Teilen sein Übriges getan hat, braucht man hier nicht gesondert zu erwähnen.

Unterdämpfungsmechanik der Firma Renner

*(Belle Époque [bɛleˈpɔk] (frz. für „schöne Epoche“) ist die Bezeichnung für eine Zeitspanne von etwa 30 Jahren um die Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert, hauptsächlich in Europa. Die genaue Datierung ist nicht verbindlich geregelt. Meist wird die Zeit von 1884 bis zum Ausbruch des Ersten Weltkrieges 1914 genannt)

Quelle: Wikipedia

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Reconstructions

The reconstructions used, in order from oldest to most recent publication are:

  1. (dark blue 1000-1991): P.D. Jones, K.R. Briffa, T.P. Barnett, and S.F.B. Tett (1998). "High-resolution Palaeoclimatic Records for the last Millennium: Interpretation, Integration and Comparison with General Circulation Model Control-run Temperatures". The Holocene 8: 455-471.
  2. (blue 1000-1980): M.E. Mann, R.S. Bradley, and M.K. Hughes (1999). "Northern Hemisphere Temperatures During the Past Millennium: Inferences, Uncertainties, and Limitations". Geophysical Research Letters 26 (6): 759-762.
  3. (light blue 1000-1965): Crowley and Lowery (2000). "Northern Hemisphere Temperature Reconstruction". Ambio. Modified as published in Crowley (2000). "Causes of Climate Change Over the Past 1000 Years". Science 289: 270-277.
  4. (lightest blue 1402-1960): K.R. Briffa, T.J. Osborn, F.H. Schweingruber, I.C. Harris, P.D. Jones, S.G. Shiyatov, S.G. and E.A. Vaganov (2001). "Low-frequency temperature variations from a northern tree-ring density network". J. Geophys. Res. 106: 2929-2941.
  5. (light green 831-1992): J. Esper, E.R. Cook, and F.H. Schweingruber (2002). "Low-Frequency Signals in Long Tree-Ring Chronologies for Reconstructing Past Temperature Variability". Science 295 (5563): 2250-2253.
  6. (yellow 200-1980): M.E. Mann and P.D. Jones (2003). "Global Surface Temperatures over the Past Two Millennia". Geophysical Research Letters 30 (15): 1820. doi:10.1029/2003GL017814.
  7. (orange 200-1995): P.D. Jones and M.E. Mann (2004). "Climate Over Past Millennia". Reviews of Geophysics 42: RG2002. doi:10.1029/2003RG000143
  8. (red-orange 1500-1980): S. Huang (2004). "Merging Information from Different Resources for New Insights into Climate Change in the Past and Future". Geophys. Res Lett. 31: L13205. doi:10.1029/2004GL019781
  9. (red 1-1979): A. Moberg, D.M. Sonechkin, K. Holmgren, N.M. Datsenko and W. Karlén (2005). "Highly variable Northern Hemisphere temperatures reconstructed from low- and high-resolution proxy data". Nature 443: 613-617. doi:10.1038/nature03265
  10. (dark red 1600-1990): J.H. Oerlemans (2005). "Extracting a Climate Signal from 169 Glacier Records". Science 308: 675-677. doi:10.1126/science.1107046

(black 1856-2004): Instrumental data was jointly compiled by the Climatic Research Unit and the UK Meteorological Office Hadley Centre. Global Annual Average data set TaveGL2v [2] was used.

Documentation for the most recent update of the CRU/Hadley instrumental data set appears in: P.D. Jones and A. Moberg (2003). "Hemispheric and large-scale surface air temperature variations: An extensive revision and an update to 2001". Journal of Climate 16: 206-223.

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